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Fortbewegungsfreunde Vier Dortmunder auf Touren

Reisebericht Masuren 2011

Fortbewegungsfreunde

 

Abreisetag war der Freitag der 20. Mai. Wie üblich wollten wir die Nacht durchfahren um dann Morgens, bzw. dieses mal Mittags völlig unausgeschlafen und gerädert am Ziel anzukommen. Gerechnet hatten wir mit einer Fahrtzeit von 12-13 Stunden...

 

Immerhin hatten wir dieses Jahr noch mehr Platz als im letzten.

 

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Wenn ich mich recht erinnere sind wir gegen 21.00 Uhr losgefahren. Bis Frankfurt an der Oder bin ich (Tobi) gefahren. Danach war Jonas an der Reihe und Dre ist den Rest durch Polen gepoltert.

 

Recht schnell war es finster auf der Autobahn... Mitten in der Nacht gab es eine ordentliche Schrecksekunde. Der Bus von Jonas nahm unter Benzinbetrieb kein Gas mehr an, verlor entsprechend an Geschwindigkeit und zwang zum ranfahren. Nach Neustart funktionierte es dann wieder für 20km. Bei Betrieb mit Gas (LPG) fuhr die Kiste aber einwandfrei. Gas gibt es glücklicherweise an jeder Ecke in Polen.

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Am nächsten Morgen gegen 7 Uhr hab ich auch mal die Augen zugemacht.


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Insgesamt hat es für eine gute Stunde Schlaf gereicht. Die Anderen dürften knappe vier Stunden gepennt haben.

 

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Die letzten Kilometer mussten wir auf schmalen und ziemlich miesen Sraßen hinter uns bringen. Ganz Polen hat leider kein erwähnenswertes Autobahnnetz. Zwar wird recht viel gebaut, aber noch ist man auf die (recht schlechten) Landstraßen angewiesen. In Polen selbst kann man daher mit einem 60 km/h Schnitt rechnen.

 

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Nach uns ewig vorgekommener Fahrt ging es beim Verleih ans umladen. Dann ging es ca. 45min Flussaufwärts wo wir dann die Boote eingesetzt und beladen haben.

 

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An der Einstiegsstelle in Sorkwity gab es fürchterlich viele Mücken. Mit einem Schlag habe ich an meinem Bein vier Stück erlegt. Für sieben reicht es wohl nur im Märchen...

 

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Schon die ersten Kilometer waren schön. Die Krutynia betseht zu einem großen Teil aus kleineren Seen. Ein richtiger Fluss ist sie nur auf kleinen Abschnitten.

 

Als recht schwierig stellte sich die all abendliche Schlafplatzsuche heraus. Leider gibt es in Polen nicht das schwedische Jedermannsrecht, noch dazu ist die Region nicht wirklich dünn besiedelt und viele Polen stellen Verbotsschilder auf, oder zäunen das Ufer ab.

 

 

Ziemlich kaputt haben wir dann das Zelt an einer geeigneten Stelle aufgebaut und gekocht.

 

Panorama Polen 2


 

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Das Essen war schlimm. Spaghetti mit irgendeiner Tomatensauce...

 

Danach ging´s ans Angeln.

 

Ich hab aus Langeweile auch mal die Angel -sogar ohne Haken- reingehalten und direkt einen öbszön großen Raubfisch gefangen!

 

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Das weckte den Ehrgeiz von Jonas und Dre... Die sollten allerdings noch bis zum nächsten Tag auf ihre Erfolge warten müssen.


 

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Danach ging es untermalt von den Geräuschen einer Party in der Nähe in die Schlafsäcke und in einen leider unruhigen Schlaf.

 

Samstag 22. Mai

 

Als wir uns aus dem Zelt bequemten und das Frühstück gerade verspeist war kam ein älterer Pole und fing an vom Steg zu angeln.

 

Nach wenigen Metern verengte sich der See in ein kleines, sehr schmales Flüsschen. Mit der schönste Abschnitt der Tour.

 

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Der Abschnitt war so flach, dass man neben den Booten hergehen konnte.


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Als sich der Fluss wieder etwas weitete bekamen wir die heimische Fauna etwas näher zu sehen.

 

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Eine der recht seltenen Brücken...


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Und ein umgestürzter Baum, der uns zu Verrenkungen zwang


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Einige Meter Flussabwärts mussten wir zum ersten mal umtragen. Das war ungewohnt, schließlich hatten wir sowas das letzte mal auf der alten Ems ca. 2006.


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Wir haben´s jedoch gut und schnell geschafft. Es ging ja auch nur ca. 50m über die Straße am Wehr vorbei.

 

Danach liessen wir uns noch etwas treiben und sahen uns nach einer geeigneten zweiten Schlafstätte um.


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Nach einigem hin und her entschieden wir uns auf einer grösseren Wiese zu campieren an der noch zwei Angler waren. Ich fand´s frech einfach dort anzulanden und illegal zu pennen, aber die anderen sahen es locker und als Jonas die Angler fragte meinten diese das sei kein Problem...

 

Somit ging es ans kochen.


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Das Essen war entschieden besser als am Vortag! Wir entschieden uns ohne Zelt zu schlafen und breiteten unsere Sachen direkt auf der Wiese aus.

 

Das sollte sich als üble Fehlentscheidungen herausstellen!

 

Zum einen haben wir in der Nacht kaum ein Auge zubekommen, da hunderte von Mücken uns um die Ohren schwebten und zum anderen wurden wir am Morgen von einem leichten Tröpfeln geweckt...


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Aus dem Tröpfeln wurde Regen und aus dem Regen schnell ein fürchterlicher Schauer.

Dreas wollte erst einfach unter der Plane liegenbleiben. Bensch, Jonas und ich packten aber schon in WIndeseile die Schlafsäcke und Isomatten in die wasserdichten Säcke und schmissen uns anschließend in die Regenkombis. Als der Regen stärker wurde musste auch Dre dann die Sachen packen...

 

Nachdem wir einige Minuten hilf- und ratlos im Regen gestanden hatten beluden wir die Boote und beschlossen weiter zu fahren. Nasser konnte es eigentlich nicht werden und noch hielten die Regenkombis dicht...


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Die Bilder hat Jonas mit dem wasserdichten Navi gemacht. Es plästerte schlimm und nach einiger Zeit spürte man das Wasser durch die Klamotten dringen. Dazu kam, dass es nicht gerade warm war. Nach ca. 20min trostloser Fahrt kam die Frage auf, wieviel Uhr wir wohl haben könnten. Kurz vor 7Uhr! Na großartig - nass, kalt und auch noch saufrüh. Irgendwann haben wir uns dann an einer offiziellen Biwakstelle aus dem Wasser gekämpft (wir hatten in der Brandung angelegt) und da das Wetter nicht besser wurde im Sturm das Zelt aufgebaut um zu frühstücken und uns etwas auszuruhen.

 

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Sobald das Zelt stand klarte das Wetter auf und die Sonne kam hervor.

 

Einige Kilometer weiter mussten wir an einem Wehr zum zweiten Mal umtragen. Als das geschafft war kochten wir uns eine Suppe und Wiener Würstchen zu Mittag, gingen baden und angeln...


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Dann ging es weiter den Fluss hinab.

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Zwischendurch angeln und relaxen...


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Morgens hätten wir auch nicht gedacht, dass wir noch einmal Sonnencreme brauchen würden!

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Die Suche nach dem nächsten Schlafplatz wollten wir noch mit einem Bierchen verkürzen.


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Der Fluss wurde aber an der Stelle wieder zu Seen und bis wir endlich einen Campingplatz erreichten mussten wir noch über 10km hinter uns bringen. Davon ahnt man natürlich vorher nichts. Die Sonne stand schon tief als wir den Platz fanden.


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Der Campingplatz hatte noch etwas alten Sowjetcharme, die Besitzerin konnte Deutsch, die Hütten waren okay und eine Alternative hatten wir ohnehin nicht...


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Für Brandschutz war jedenfalls gesorgt.


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Vor der Hütte trockneten wir unsere klammen Schlafsäcke und Matten... Dann gab´s Essen auf dem Steg.


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24. Mai

 

So sah die Hütte von innen aus - für 30€ okay!

 

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Geschlafen hatten wir jedenfalls alle gut. Auch die Dusche am Morgen war sehr angenehm.

 

Gefrühstückt wurde wiederum am Steg.

 

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Das Wetter war bombig!

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Schnell die Boote beladen und ab auf´s Wasser...

 

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Jonas und Dre waren etwas ordentlicher unterwegs. Die blauen Edeka Kisten waren etwas unhandlich, erleichterten den Transport der Fressalien aber ungemein. Praktisch waren die Deckel, so dass das Meiste wettergeschützt war. Bei schlimmerem Regen haben wir noch eine Folie über die Boote gezogen.

 

Am Ende des Sees an dem wir gecampt hatten erwartete uns eine weitere Stelle die es zu umtragen galt.


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Ein kleines Wehr.

 

Später folgte der Versuch die Paddel als Segel zu nutzen.


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Flach war´s! Der Boden war schlammig und wenn man das Paddel darin versenkte stank es ordentlich nach Modder.


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Das war der Auftakt zur Fahrt auf der "eigentlichen" Krutynia - der Fluss führt dort an dem gleichnamigen Dorf vorbei. Die Kilometer sind wirklich malerisch, sehr flach, sandig und auf einem Abschnitt von ca. 1km auch voller Touristenkähne. Die Kähne werden ähnlich der Venediger Gondeln gestakt und sind mit ca. 10-20 zumeist deutschen Tagestouris gespickt. Die hören sich bei ihrem Besuch in der alten Heimat Geschichten von den Schiffern an, winken und grüssen freundlich.


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Geangelt wurde auch -teilweise mit Erfolg!


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Im Dorf selbst haben Jonas und ich etwas Geld in einem Restaurant getauscht, uns mit einer deutschsprachigen Reiseführerin und einem bayerischen Busfahrer unterhalten, die froh waren, mal nicht nur Rentner und Tagestouristen zu sehen und schließlich noch einige Tyskie Bier im ziemlich teuren Dorfladen gekauft.


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Leider war dieser wunderschöne Abschnitt recht kurz (schätzungsweise 7-8km) und es ging wieder auf etwas tristere Fluss- und Seekilometer.

 

Störche, Fische und Schwäne gab es viele...


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Zwischendurch mussten wir einmal umtragen -diesmal gut 200m- und stießen wieder auf eine lärmende Gruppe von polnischen Jugendlichen samt Betreuer, die uns schon am Dorf beim einkaufen und angeln überholt hatten.


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Auf der Suche nach dem nächsten geeigneten Schlafplatz überholte uns die Gruppe ein letztes Mal. Der Anblick war witzig!


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Kreuz und quer fahrend, laut und ausgelassen - und bis auf eine weitere Gruppe am nächsten Tag fast die einzigen Paddler die wir sahen.

 

Die Schlafstelle war schnell gefunden. Allerdings war sie noch von einer polnischen Kleinfamilie okkupiert. Die sahen sich unser Treiben an und als wir das Zelt aufgebaut hatten rückte der Mann mit der Sprache hinaus: Dies sei sein Platz und wir müssten jeder dafür 10zl bezahlen!

 

Wir waren baff. Aber, da es an der Stelle einen kleinen Unterstand gab, ein hölzernes Plumpsklo am Rand der großen gemähten Wiese und Kuhweide stand und wir unser Zelt nicht mehr abbauen wollten zahlen wir dem mutmaßlichen Besitzer das Geld. Direkt danach verschwand er samt Anhang...

 

Die Stelle hatte ihren Charme!


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Damit die Kühe nicht den Kopf ins Zelt steckten, hatten wir die Boote vors Zelt gelegt. Die Nacht war windig, kühl, regnerisch und ruhig! Geschlafen haben wir prächtig.

 

Ein Panorama:

Panorama Polen

 


 

25. Mai


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Bie gutem Wetter ging es nach dem Frühstück schnell wieder aufs Wasser und den doch etwas langweiligen Fluss. Die Route erinnerte ein wenig an die Hase in Norddeutschland. Viele Biegungen und zumeist bestelltes Land am Ufer.

 

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Zwischendurch gab es Spuren von Biebern. Leider haben wir nie einen live (und vor allem alive) gesehen. Die Bieber die wir gesehen haben konnte man schon lange vorher riechen und sie schwammen mit dem aufgeblähten Bauch nach oben. Davon aber gab es mindesten drei...


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Das Wetter verschlechterte sich zusehend und nach einer Pause entschlossen wir uns, uns vorsorglich in die Regenklamotten zu schmeißen.

 

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Als wirklich heftiger Regen ausblieb, konnten wir ohne Gummipelle weiterfahren und den letzten Schlafplatz am Wasser suchen.


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Ausnahmsweise fanden und blieben wir auf einem eingezeichneten Biwakplatz. Schnell war das Zelt aufgebaut und ein Feuer gegen die vielen Mücken und für das Braten der mitgebrachten Mettwürstchen entfacht.


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Der Sonnenuntergang war schön. Leider ging die Sonne nicht im See, sondern hinter den Bäumen unter...


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Ein Gruppenfoto!


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Am nächsten und letzten Tag brachen wir auf, um den letzten See auf der Tour längs zu queren und uns an einer Schleuse abholen zu lassen.

Die Fahrt bei prallem Sonnenschein, Flaute und umgeben von vielen Segelschiffen und sogar Ausflugsdampfern, die auf dem angrenzenden größten See Polens zu Hause sind, liessen wir entspannt angehen.


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Die Schleuse und zugleich das Ende unserer Tour. Hier haben wir uns abholen lassen.

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Das Boot ist leer...


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Der wohl spannendste Teil eines Binnenschiffertages... Die enge Schleuseneinfahrt.


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Unser Transport zurück zum Bootsverleih in Krutynia.


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Am Verleih angekommen beluden wir den Bulli und machten uns auf die Suche nach einer schönen Unterkunft am Fluss. Leider haben wir keine gefunden. Die Anlage die wir vom Fluss aus gesehen hatten war ziemlich klein und fast vollständig von irgendeiner Jugendgruppe belegt. Bei einer Wanderung flussaufwärts haben wir leider auch nichts tolles mehr gefunden und so sind wir gegen 16.00 aufgebrochen nach Dortmund.

 

Die Fahrt sollte uns gut 15.5 Stunden kosten. Der obligatorische Stop bei McD auf der A2 verursachte die ebenso obligatorische Übelkeit. Lektion für ein Jahr gelernt...

 

Die Reise war schön. Die Krutynia einfach, aber malerisch zu paddeln. Im Endeffekt ist der Spaß jedoch etwas zu weit weg. Die Anbindung ist mangels Autobahn aber auch miserabel. Auf dem Wasser selbst waren wir fast allein, am Ufer jedoch ist es bei Weitem nicht so einsam wie wir es uns erhofft hatten...

 

Mal sehen, wo es uns im nächsten Jahr hinführt!

 


Kommentare

dini 08/14/2011 20:54


Die Masuren sind so schön! Ich liebe Ostpreußen, schließlich war es mal lange Jahre deutsch. Jasnaja poljana, seid ihr daran auch vorbeigekommen? Muss man gesehen haben, da kommen die
Trakehner-Pferde her! Das Gestüt gibts heute sogar auch noch. :)


Jana 07/11/2011 22:45


Was für eine schöne Reise, da geht einem wirklich das Herz auf, eine Mischung aus radeln, angeln, Boot fahren, paddeln, Auto fahren. Leben pur! Natur pur! Neid! Ihr seht auch ganz so aus, als ob
ihr es gut genießt. Das wünsche ich euch weiterhin!